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Allergie - Krankheit oder Zustand?

Allergie ist eine in den Genen verankerte Fehlreaktion des Immunsystems auf Stoffe, auf die der Nichtallergiker nicht reagiert. Diese Stoffe werden Allergene genannt. Die drei häufigsten, nach den verursachenden Allergenen definierten Allergien, sind die Nahrungsmittelallergie, die Pollenallergie und die Hausstauballergie (Allergen ist der Milbenkot).

Bei der Nahrungsmittelallergie ist die logische Konsequenz, das Weglassen der auslösenden Nahrungsmittel, in der Praxis höchst schwierig. Der erste Schritt, die Isolation einzelner Problemstoffe, erfordert viel Wissen, Erfahrung und Geduld. Hinzu kommt, dass oft nicht einzelne Stoffe, sondern deren Kombination die Probleme hervorrufen. Vorsicht auch deshalb vor der häufig aufdringlich angebotenen Zusatznahrung. Das Ziel, eine allergenarme und trotzdem ausgeglichene Ernährung zu erzielen, kann nur durch eine fachmännische Ernährungsberatung erreicht werden. Als Denkansatz: Wie kann diese Beratung erfolgreich sein, wenn die unkontrollierbare Genmanipulation der Nahrungsmittel verstärkt fortschreitet.

Bei Heuschnupfen sind die Pollen das Allergen. Der Schutz vor Pollen ist ein naturgemäß schwieriges Unterfangen. Pollenfilter vor dem Fenster verhindern zwar das Eindringen der Pollen, behindern aber auch stark den Luftaustausch. Auch hier ist eine Erhöhung der Wirkung durch Wirkstoffkombination zu beobachten: Schadstoffbelastete Pollen sind besonders aggressiv.

Hausstauballergie, hervorgerufen durch den Kot von Milben, ist die häufigste Allergie. Der nächstliegende Gedanke ist, die Milben durch Anwendung entsprechender Mittel abzutöten. Tests haben jedoch gezeigt, dass eine Langzeitwirkung nicht nachgewiesen werden kann. Außerdem sind Nebenwirkungen dieser Mittel auf den menschlichen Organismus nicht auszuschließen.

Die gute Nachricht für Hausstauballergiker ist jedoch: Hier gibt es viele Möglichkeiten für eine optimale Umfeldgestaltung.

Wir haben 3 Ebenen, um gegen Allergiebeschwerden vorzugehen:

1. Die medizinische Ebene
Durch Einsatz von Medikamenten (Antiallergika) kann eine Überreaktion für eine bestimmte Zeit abgeblockt werden; durch Hyposensibilisierung kann in einigen Fällen dem Körper die Überreaktion abgewöhnt werden; durch Akupunktur kann das Steuerungssystem beeinflusst werden.

2. Die Umfeldebene
Unterstützend zur medizinischen Behandlung, und das ohne gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen, kann das Wohn- und Arbeitsumfeld optimiert werden. Auch hierbei ist kompetente und vertrauensvolle Beratung notwendig,  da ein Allergiker zeitlebens Allergiker ist, auch wenn es gelingen kann, ihn von  den Beschwerden zu befreien.

3. Die psychische Ebene
Allergie ist kein psychischer Defekt, jedoch können die Beschwerden über die Psyche verstärkt oder gemindert werden. Nicht ohne Grund ist in unserer Zeit des Verlustes der sozialen, ethischen und wirtschaftlichen Mitte ein enormes Anwachsen der allergischen Beschwerden zu beobachten.

Dr. Rolf Rentschler für Schwäbische Zeitung, Ausgabe Ravensburg

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